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Kommunikation in der Paarbeziehung: Was ich als Therapeutin in meiner eigenen Paartherapie über Kommunikation gelernt habe

Vor einigen Jahren haben wir als Paar selbst eine systemische Paartherapie begonnen. Rückblickend habe ich dabei viel über Kommunikation in der Paarbeziehung gelernt – und darüber, warum sie manchmal so schwer sein kann.

Im Rückblick waren es ungefähr zehn Sitzungen. Von November bis November.
Als mir das später bewusst wurde, war ich überrascht. Gefühlt hatte sich dieser Prozess viel länger angefühlt.

Dabei sage ich selbst Paaren oft, dass für einen tiefen Prozess ungefähr zehn Sitzungen ausreichen können – auch wenn das natürlich sehr individuell ist.


Damals befanden wir uns in der schwersten Krise unserer Beziehung.

Mein Partner arbeitete auf drei verschiedenen Ebenen gleichzeitig. Ich war in einer Situation, in der ich meine schwer erkrankte Mutter begleitet habe, gleichzeitig meine Großmutter auf ihrem letzten Weg, ich habe gearbeitet, studiert und war zwischendurch immer wieder unterwegs zwischen Ländern und Verpflichtungen.

Paaren geht es in solchen Phasen oft ähnlich.

Man merkt nicht sofort, dass man schon längst über der eigenen Grenze ist.
Und wenn man es merkt, ist man meistens schon mitten in der Krise.

Alles hat sich damals zugespitzt, ohne dass es im Alltag sofort so benannt wurde.

Rückblickend denke ich: viele dieser Prozesse sind im Alltag unsichtbar. Vor allem dann, wenn kein Raum mehr für eigene Bedürfnisse bleibt und man nur noch funktioniert.

Trotzdem war da dieser Moment der Irritation:

Wie sind wir hier gelandet?

Wir waren doch Therapeut*innen.

Aber wir waren eben auch Menschen.


Präventiv ist leichter – aber nicht immer möglich

Ich sage heute oft Paaren: präventiv ist vieles einfacher.

Aber natürlich ist das Leben selten präventiv.

Wir hatten damals Glück, dass wir relativ schnell einen Platz bekommen haben und in eine Paartherapie bei Frederike von Tiedemann gekommen sind.

Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.

Ich erinnere mich an einen Satz von ihr, sinngemäß:

Ihr seid gerade in einem stürmischen Meer. Jetzt geht es nicht darum, sofort alles zu analysieren oder zu verstehen, wie ihr dahin gekommen seid, sondern erst einmal darum, überhaupt über Wasser zu bleiben.

Das hat etwas verändert.

Die ersten Sitzungen waren nicht Analyse.
Sie waren Stabilisierung. Vertrauen. Wieder Kontakt herstellen.

Erst später ging es um Muster, Dynamiken und Anteile.


Widerstand – und warum ich heute Respekt davor habe

Ich weiß nicht genau, was schwieriger ist:

Den eigenen Anteil an einer Dynamik zu sehen, die man selbst nicht mehr erträgt
oder Vertrauen wieder aufzubauen, wenn etwas verletzt wurde.

Ich habe in dieser Zeit begonnen, Widerstand anders zu sehen.

Heute habe ich großen Respekt vor Widerstand.

Früher hätte ich gesagt: Widerstand blockiert Veränderung.

Heute sehe ich: Widerstand schützt etwas.

Ein Selbstbild.
Eine innere Ordnung.
Eine Art, sich selbst nicht zu verlieren.

Und manchmal auch etwas sehr Verletzliches.


Ich erinnere mich an eine konkrete Situation in einer Sitzung.

Mein Partner hat etwas über ein Muster in unserer Beziehung gesagt.

Und ich habe sofort gemerkt, wie ich innerlich reagiert habe.

Nicht neugierig.

Sondern defensiv.

Ich wollte erklären.
Ich wollte relativieren.
Ich wollte Beispiele sehen.
Ich wollte es nicht so stehen lassen.

Nach außen sah das wahrscheinlich sachlich aus.

Innerlich war es etwas anderes.

Abwehr.


Und gleichzeitig war da noch etwas anderes:

Ein Teil von mir hat sehr genau verstanden, was gemeint war.

Aber genau dieser Teil war gefährlich.

Denn wenn dieser Teil recht hat, verändert das etwas über mich selbst.


Scham, Selbstbild und Kommunikation in der Paarbeziehung

Heute sehe ich klarer, was in solchen Momenten passiert.

Es geht nicht nur um Kommunikation in der Paarbeziehung.

Es geht um Selbstbild.

Um die Frage:

Wer bin ich in dieser Beziehung?

Und wer möchte ich auf keinen Fall sein?

In meinem Fall war da auch Scham.

Weil ich bestimmte Muster selbst kritisch sehe.

Und genau deshalb war es so schwer, sie bei mir selbst anzuerkennen.


Der Moment, in dem etwas kippt

Im Verlauf der Sitzung hat die Therapeutin etwas zurückgespiegelt.

Und ich erinnere mich an diesen Moment sehr deutlich.

Ein Teil von mir dachte:

„Jetzt sind alle gegen mich.“

Und gleichzeitig war da etwas anderes.

Etwas, das langsam verstanden hat:

„Vielleicht stimmt das in Teilen.“

Nicht sofort. Nicht vollständig. Aber genug, um nicht mehr nur zu kämpfen.


Anerkennen statt verteidigen

Für mich ist das heute eines der wichtigsten Prinzipien in Beziehungen:

Nicht sofort erklären.
Nicht sofort verteidigen.
Nicht sofort zurückweisen.

Sondern kurz innehalten und prüfen:

Könnte da etwas dran sein?

Das bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben.
Und auch nicht, alles zu akzeptieren.

Es bedeutet nur, nicht sofort in die Abwehr zu gehen.


Veränderung passiert nicht einmal – sondern wiederholt

Das Interessante ist:

Veränderung passiert selten in einem einzigen Moment.

Sie beginnt vielleicht in einer Sitzung.

Und dann passiert sie wieder im Alltag.

Man erwischt sich.

Einmal.

Und noch einmal.

Und noch einmal.

Und irgendwann entsteht etwas Neues.

Nicht weil man es verstanden hat.

Sondern weil man es nicht mehr übersehen kann.


Verantwortung statt Schuld

Je länger ich mit Paaren arbeite, desto weniger interessiert mich die Frage:

Wer hat recht?

Oder:

Wer ist schuld?

Diese Fragen führen selten weiter.

Wichtiger ist etwas anderes:

Wofür übernehme ich Verantwortung?

Was ist mein Anteil?

Was möchte ich künftig anders machen?


Selbstvergebung als Teil von Veränderung

Vielleicht gehört noch etwas dazu:

Ein freundlicherer Umgang mit sich selbst.

Denn wenn ich mich selbst ständig verurteile, werde ich mich automatisch auch stärker verteidigen.

Wenn ich mir selbst Fehler zugestehen kann, wird es leichter, auch den anderen weniger sofort zu verurteilen.


Abschluss

Kommunikation in Paarbeziehungen ist selten ein Technikproblem.

Sie ist oft ein Prozess von:

Widerstand.
Scham.
Selbstbild.
Und der Fähigkeit, sich selbst in Beziehung zu erkennen. Für mich beginnt Kommunikation in der Paarbeziehung nicht bei der richtigen Technik, sondern bei der Bereitschaft, den eigenen Anteil zu sehen.

Für mich beginnt Veränderung genau dort.

Nicht in der perfekten Kommunikation.

Sondern in dem Moment, in dem ich aufhöre, mich sofort zu verteidigen.

Wenn Sie sich für systemische Paartherapie interessieren, finden Sie hier weitere Informationen.