Systemische Therapie und körperorientierte Ansätze
Wie ich therapeutisch arbeite. In meiner Arbeit verbinde ich systemische Therapie mit körperorientierter Therapie.
Viele Menschen kommen in die Therapie und verstehen mit der Zeit immer besser, warum sie fühlen, reagieren oder handeln, wie sie es tun. Sie erkennen innere Muster, Konflikte und Dynamiken. Dieses Verstehen kann ein wichtiger Schritt sein — und gleichzeitig entsteht oft irgendwann eine neue Frage:
Warum verändert sich trotz aller Einsicht manches trotzdem nicht wirklich?
In meiner Arbeit beschäftigt mich genau dieser Punkt schon lange. Deshalb hat mich eine rein gesprächsorientierte Therapie alleine nie vollständig überzeugt.
Warum Verständnis allein oft nicht ausreicht
Kognitive Einsicht bedeutet nicht automatisch emotionale oder körperliche Veränderung. Viele Prozesse sind tiefer im emotionalen und körperlichen Erleben verankert und lassen sich nicht ausschließlich über Analyse oder Reflexion erreichen.
Deshalb spielt verkörpertes Erleben in meiner therapeutischen Arbeit eine wichtige Rolle.
Ich erlebe immer wieder, dass Veränderung häufig dort entsteht, wo Menschen Erfahrungen nicht nur verstehen, sondern emotional und körperlich neu erfahren können.
Gleichzeitig ist mir eine wissenschaftliche und professionelle Haltung wichtig. Nicht jede intensive Emotion ist automatisch therapeutisch hilfreich. Nicht jede starke Erfahrung führt zu Integration oder nachhaltiger Veränderung. Deshalb interessiert mich nicht einfach „Intensität“, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen therapeutische Prozesse tatsächlich regulierend, integrierend und entwicklungsfördernd wirken.
Mein therapeutisches Grundverständnis basiert auf der systemischen Therapie. Gleichzeitig beschäftige ich mich kontinuierlich mit unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen und erweitere meine Arbeit durch Fortbildungen, Selbsterfahrung und fachliche Auseinandersetzung.
In den letzten Jahren habe ich mich unter anderem intensiver mit der Pesso-Boyden-Therapie sowie mit dem Ansatz der „Leeren Schale“ beschäftigt. Einige Elemente daraus integriere ich schrittweise in meine Arbeit — neben systemischer Therapie, der Arbeit mit inneren Anteilen und klassischen systemischen Methoden.
Wie körperorientierte Therapie konkret aussehen kann
Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Person beschreibt zunächst ihr aktuelles Problem oder einen inneren Konflikt. Anschließend frage ich nicht nur nach dem Problem, sondern auch nach dem gewünschten inneren Zustand:
Wie würde sich emotionale Sicherheit, Klarheit oder Selbstkontakt eigentlich anfühlen?
Danach arbeite ich häufig mit räumlicher und körperlicher Darstellung.
Die Person wird eingeladen, das aktuelle Erleben über Körperhaltung, Mimik, Spannung, Bewegungsimpulse oder innere Sprache sichtbar zu machen. Anschließend entsteht an einem anderen Ort im Raum eine zweite Position: der gewünschte Zustand.
Dabei arbeite ich sehr differenziert mit der Wahrnehmung des Körpers:
- Wo im Körper verändert sich etwas?
- Welche Gefühle entstehen?
- Wie verändert sich Atmung, Spannung oder Blickrichtung?
- Welche inneren Sätze tauchen auf?
- Was unterscheidet beide Zustände voneinander?
Im nächsten Schritt wechseln wir häufig in eine beobachtende Meta-Position. Von dort aus entsteht oft ein neuer Blick auf die eigenen inneren Dynamiken. Viele Menschen entwickeln an dieser Stelle bereits zentrale Erkenntnisse darüber, welche inneren Prozesse oder Loyalitäten sie unbewusst daran hindern, sich in Richtung des gewünschten Zustands zu bewegen.
Erst danach beginnt die eigentliche therapeutische Arbeit mit den inneren Blockaden, Schutzmechanismen oder emotionalen Erfahrungen, die dem Körper bislang nicht erlauben, diesen Zustand dauerhaft einzunehmen.
Körperorientierte Therapie und die Regulation intensiver Emotionen
Auch online ist tiefe therapeutische Arbeit möglich.
Besonders bei starken emotionalen Reaktionen zeigt sich häufig, dass die aktuelle Situation nur teilweise mit dem gegenwärtigen Konflikt zusammenhängt. Intensive Gefühle haben oft eine längere Beziehungsgeschichte und verweisen auf frühere emotionale Erfahrungen.
In solchen Momenten arbeite ich sehr langsam und präzise.
Wenn jemand beispielsweise sagt:
„Ich habe einen Kloß im Hals.“
„Ich kann nicht sprechen.“
„Mein Körper zittert.“
Dann versuchen wir nicht sofort, die Emotion „wegzumachen“. Stattdessen richten wir die Aufmerksamkeit behutsam auf das körperliche Erleben selbst.
Ich frage zum Beispiel:
- Welche Botschaft trägt dieses Körpergefühl in sich?
- Wenn dieser innere Zustand sprechen könnte — was würde er sagen?
- An wen richtet sich dieses emotionale Bedürfnis ursprünglich?
Häufig zeigt sich dabei, dass die aktuelle emotionale Reaktion mit früheren Beziehungserfahrungen verbunden ist. Aus einem aktuellen Konflikt mit demder Partnerin kann sich beispielsweise ein tieferes emotionales Bedürfnis herauskristallisieren, das ursprünglich an Mutter, Vater oder andere wichtige Bezugspersonen gerichtet war.
Wenn ausreichend innere Stabilität vorhanden ist, kann diese Erfahrung therapeutisch weiter bearbeitet und emotional integriert werden.
Dadurch entsteht bei vielen Menschen nicht nur eine spürbare emotionale Entlastung, sondern auch eine bessere Selbstregulation im gegenwärtigen Alltag und in aktuellen Beziehungen.
Therapie auch online möglich
Tiefe therapeutische Prozesse sind nicht nur im persönlichen Kontakt möglich. Auch im Online-Setting kann körperorientierte Therapie hilfreiche emotionale Prozesse unterstützen.
Wenn Sie sich von dieser Art zu arbeiten angesprochen fühlen, können Sie mich gerne kontaktieren und ein unverbindliches Erstgespräch vereinbaren.